Neiße (Lausitzer)

Neiße, Lausitzer (auch: Görlitzer N., niedersorb. Łužyska Nysa, obersorb. Łužiska Nysa, poln. Nysa Łużycka, tschech. Lužická Nisa)


Inhaltsverzeichnis

1 Geographie

Die Lausitzer N. entspringt als Lučanská Nisa („Wiesenthaler N.“) nördlich der tschechischen Stadt Jablonec nad Nisou (dt. hist. Gablonz) auf 785 m ü. d. M. einem Südhang des zu den Westsudeten gehörenden Isergebirges. Sie mündet nach geradlinigem Süd-Nord-Lauf nördlich von Gubin (Polen) bei Ratzdorf (Deutschland) linksseitig in die Oder. Mit einer Länge von 252 km und einem Gesamteinzugsgebiet von 4297 km² ist die N. einer der größten Nebenflüsse der Oder. Ihr mittlerer Wasserabfluss an der Mündung beträgt 32,8 m³/s. Entlang der N. und ihren linksseitigen Nebenflüssen verläuft auch die Wasserscheide zwischen Oder und Elbe.

Der Oberlauf der N. verläuft abwechselnd durch weite Becken und enge Täler. Vom Reichenberger Becken (tschech. Liberecká kotlina) bis zum Passieren des Dreiländerecks im Zittauer Becken sammelt die N. Zuflüsse aus dem Isergebirge, dem Jeschkengebirge (tschech. Ještědské hory) und dem Lausitzer Gebirge. Zwischen den östlichen Bereichen der Ober- und Niederlausitz durchfließt die N. die Muskauer Heide und quert schließlich den auch als Lausitzer Grenzwall (poln. Wzniesienia Łużyckie) bezeichneten Höhenrücken zwischen Ober- und Niederlausitz. Im Unterlauf bis zur Mündung fließt die N. in einer weiten Niederung. Im Guben-Forster N.tal ist die N.aue mit entsprechenden naturräumlichen Eigenheiten weitgehend erhalten.

Die N. ist von Guben/Gubin an für wenige Kilometer schiffbar. Ab dem Dreiländereck bei Zittau bis zur Oder markiert der Verlauf der N. die deutsch-polnische Grenze. In diesem Zusammenhang ist die Unterscheidung der Lausitzer N. von anderen ebenfalls N. benannten Flüssen von Bedeutung. 1945 kam es auf der sog. Potsdamer Konferenz zu Sonderverhandlungen, da die Streitfrage geklärt werden musste, ob die Lausitzer N. oder die als östliche N. bei Brieg (heute poln. Brzeg) linksseitig in die Oder mündende Glatzer N. (poln. Nysa Kłodzka) gemeinsam mit der Oder die Oder-N.-Grenze bilden soll.

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2 Kulturgeschichte

Die erste große Siedlungsphase im N.gebiet ging von der Lausitzer Kultur in der jüngeren Bronzezeit (11.–9. Jh. v. Chr.) aus. Nach der Besiedelung ab dem 7. Jh. durch slawische Stämme, u. a. durch die heute noch in der Lausitz heimischen Sorben, folgten ab dem 10. Jh. Landnahmen durch deutsche und polnische Feudalherren. Der Handel an der N. wurde 1346 durch den Sechsstädtebund belebt, zu dem sich Zittau und Görlitz mit vier anderen Städten der Oberlausitz zusammenschlossen. Dieser Bund sollte den Handelsverkehr auf wichtigen Handelsstraßen sicherstellen, z. B. der Via Regia, die die N. bei Görlitz kreuzte, oder der sog. Böhmischen Straße im N. zwischen Görlitz und Zittau. Liberec (Tschechien, dt. hist. Reichenberg), Görlitz und Zittau wurden zu wichtigen Industrie- (v. a. Textilindustrie) und Handelsstädten.

Unmittelbar rechts- und linksseitig der N. befinden sich große und z. T. bereits stillgelegte Braunkohletagebaue und Kraftwerke, die in der jüngeren Vergangenheit von großer Bedeutung für Umwelt- und Wirtschaftsbelange des Raumes waren.

Die größten Städte an der N. sind Liberec und die Doppelstadt Görlitz/Zgorzelec mit jeweils rd. 100.000 Einwohnern. In diesen Städten wie auch in Zittau haben teils länderübergreifende Hochschuleinrichtungen ihre Standorte. Weitere grenzüberschreitende Aktivitäten im Bereich Wirtschaft, Verwaltung, Bildung und Kultur gehen von der Interessengemeinschaft „Euroregion N.-Nisa-Nysa“ aus, zu der 1991 mehrere an der N. gelegene Gemeinden, Landkreise und Städte des Dreiländerecks Tschechien, Polen und Deutschland ihren Beitritt erklärten. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit Polens und Deutschlands bei der Restaurierung des Muskauer Parks (Park Mużakowski) in Bad Muskau/Łęknica, der 1815–44 von Prinz Hermann von Pückler-Muskau als harmonisches Gartenkunstwerk angelegt wurde, das die Landschaftsarchitektur in Europa und Amerika nicht unmaßgeblich beeinflusste. 2004 wurde der Park in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

(Bernd Adamek-Schyma)

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